Webinarrückblick Oktober | Barbara Lamot von KIMUS Graz 

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Unsere vierte Online-Austauschrunde für Museen und Kulturbetriebe stand im Zeichen der CO2-Bilanz. Zu Gast war Barbara Lamot, Prokuristin und Nachhaltigkeitsbeauftragte bei KIMUS Graz. Sie hat für das Basisjahr 2025 die erste Treibhausgasbilanz ihres Hauses erstellt, ohne fertiges Tool und mit 125 Excel-Listen. Aus ihrer Arbeit mit Museen hat auch Julia Weger, Nachhaltigkeitsberaterin für Museen und Ausstellungshäuser, ihre Erfahrungen in die Runde eingebracht.

Ohne fertiges Tool zur ersten CO2-Bilanz 

Unser Online-Austausch für Museen und Kulturbetriebe ging am 27.10.2026 in die vierte Runde. Zu Gast war Barbara Lamot von KIMUS Graz. Sie ist dort Prokuristin, leitet HR sowie Finanzen und ist Nachhaltigkeitsbeauftragte. Zu KIMUS gehören drei Häuser, das größte ist das Kindermuseum mit rund 110.000 Besucher:innen im Jahr. Unser Thema war die CO2-Bilanz. Barbara hat für das Basisjahr 2025 die erste Treibhausgasbilanz erstellt, mit sehr vielen Excel-Listen. 

Angefangen hat alles 2012, als KIMUS gefragt wurde, ob es bei Ökoprofit mitmachen will. „Neugierig, wie ich bin, habe ich gesagt, sicher mache ich das.“ Seither ist das Haus jedes Jahr im Netzwerk dabei und hat sich fünfmal zertifizieren lassen, immer dann, wenn es etwas Neues zu zeigen gab. Zuletzt kam das Österreichische Umweltzeichen für das Kindermuseum dazu. Für Barbara die logische Folge aus über zehn Jahren Arbeit am Thema. 

Der größte Posten stand nicht auf der Liste 

Den Anstoß gab ein Ökoprofit-Workshop zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Frage an die Runde: Wo liegen eure größten Emissionstreiber? Barbara tippte auf Dienstreisen und Transporte und war sich sicher. Dann fragte eine Kollegin neben ihr, wie es mit der Mobilität der Besucher:innen aussieht. „Sie hat recht, das ist das Meiste. Das hab ich gar nicht am Schirm gehabt.“ 

Daraus hat Barbara eine Lehre gezogen, die sie offen teilt. Wer Dinge verbessern will, setzt leicht Maßnahmen, die schön sind, aber wenig bewirken, und übersieht die großen Emissionsquellen. 

Drei Schritte vor, zwei zurück 

Scope 1 und 2 waren für Barbara schnell erledigt. Über Ökoprofit sammelt sie seit 2012 jedes Jahr die Daten zu Strom, Gas und Wasser, die Abrechnungen liefern klare Kilowattstunden und Kubikmeter. Die Herausforderung war Scope 3. 

Den Klimarechner des Bundes hat sie ausprobiert und findet ihn gut, gerade für Häuser, die neu einsteigen oder schwer an Daten kommen. Für KIMUS passte er nicht ganz. Das Haus baut jedes Jahr seine Ausstellungen komplett neu auf, der Bereich Waren und Dienstleistungen ist entsprechend groß und im Rechner blieb ihr dafür zu wenig Spielraum. Also hat sie selbst gerechnet: mit Emissionsfaktoren, unter anderem vom Umweltbundesamt, und mit einer Nachhaltigkeitsberatung, bei der sie sich für ihre Rechenwege jeweils das Okay geholt hat. 

Leicht war der Start nicht. „Am Anfang habe ich echt gedacht, das ist so ein Riesenbrocken.“ Geholfen hat ihr der Rat von Menschen, die den Weg schon gegangen waren: mit dem anfangen, was leicht geht. Bei ihr waren das Abfall, Dienstreisen und die Mobilität der Mitarbeitenden. Am Ende standen 125 Excel-Listen, die sie „wie eine wissenschaftliche Arbeit gegliedert hat“, Scope für Scope, mit Zusammenfassung am Schluss. Perfekt muss die erste Bilanz nicht sein, sie wird mit jedem Jahr genauer.  

Barbara hat ihre Zeit mitgeschrieben. Rund 200 Stunden sind in die Bilanz geflossen, der Großteil in die Mobilität der Besucher:innen und in Waren und Dienstleistungen. Das klingt nach viel. Es ist aber die Basis, auf die künftig aufgebaut werden kann. 

Aus der Runde kamen ähnliche Erfahrungen. Julia Weger sieht in ihrer Arbeit mit Museen, dass gerade kleinere Häuser Begleitung brauchen. Wer schon Ökoprofit-Betrieb ist, erspart sich viel Arbeit. Ihr Fazit: „Es ist keine Rocket Science.“ 

Wie Besuchende ins Kindermuseum kommen 

Im Sommer hat Barbara in allen drei Häusern erheben lassen, wie die Gäste anreisen. Im Kindermuseum umfasste die Stichprobe rund 1.500 Besucher:innen. Das Ergebnis: 43 Prozent reisen mit dem Auto an, knapp 46 Prozent öffentlich, gut 4 Prozent mit dem Rad und knapp 7 Prozent zu Fuß. Dabei liegt das Haus direkt an einem Radweg, die Bushaltestelle ist rund 100 Meter entfernt, und Parkplätze für Besucher:innen gibt es keine, nur eine Kurzparkzone. 

Überrascht hat sie, woher die Autos kommen. Der Großteil hatte eine Grazer Postleitzahl, sehr viele sogar 8010, die des Museums selbst. „Da bin ich gestanden und habe mir gedacht, das darf ja wohl nicht wahr sein.“ Viele Familien aus Kärnten dagegen kamen mit dem Zug, die Koralmbahn macht es möglich. Wer von weiter weg kommt, steigt eher in die Öffis als die Nachbarschaft. 

Beim Rechnen fiel ihr noch etwas auf. Die Standard-Emissionsfaktoren gehen von 1,13 Personen pro Auto aus, ihre Familien kamen im Schnitt zu 3,55. Bei den Reisebussen sitzen oft zwei Schulklassen, im Schnitt rund 29 Personen. Mit Personenkilometern wären die Emissionen viel zu hoch ausgefallen, also hat sie mit Fahrzeugkilometern gerechnet. Das kennen wir aus unserer eigenen Arbeit: Der Besetzungsgrad steckt in den Faktoren drin, eine einfache Umrechnung für drei oder vier Personen pro Auto gibt es bisher nicht. 

Was Barbara anderen Häusern mitgibt 

Zum Schluss haben wir Barbara gefragt, was sie einem Haus rät, das morgen mit der CO2-Bilanz beginnt. Ihr erster Tipp: „Sich gut stellen mit der Buchhaltung.“ Wenn die Rechnungen digital vorliegen, sind die Zahlen in kurzer Zeit da. Ihr zweiter Tipp: Verbündete suchen und sich mit Menschen austauschen, die das schon gemacht haben. Und der dritte: durchhalten. 

Wir machen weiter 

Danke an Barbara für die offenen Einblicke und an alle, die mitdiskutiert haben. Das nächste Webinar findet am 24. November 2026 um 15.30 Uhr statt. Sandra Feurstein-Thaler stellt das Projekt Reiseziel Museum vor, das wir gemeinsam mit Julia Weger begleiten durften: eine Datenerhebung in 57 Museen in Vorarlberg, Liechtenstein und der Schweiz.  

Dieser Rückblick beruht auf dem vierten Gespräch unserer monatlichen Austauschrunde zu Besucher:innendaten und Mobilität im Kunst- und Kultursektor, mit Barbara Lamot von KIMUS Graz. 

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