Mobility Insights by vionmo I Apr 26 - KW 18, Nr. 14
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🏟️ Schwerpunkt dieser Ausgabe: Mobilität rund um Sportveranstaltungen
Liebe Leser:innen,
kaum eine andere Situation zeigt so deutlich, wie stark Sport und Mobilität zusammenhängen wie ein Großevent: 49.000 Läufer:innen beim Vienna City Marathon, 13.500 beim Wings for Life World Run vor Schloss Schönbrunn, hunderttausende ESC-Fans im Mai. Wer es schafft, diese Massen klimafreundlich zu bewegen, schafft ein Qualitätsmerkmal - und reduziert massiv CO₂-Emissionen.
Zur Einordnung: Rund 60 % der CO₂-Emissionen eines Bundesliga-Spieltags entstehen allein durch die An- und Abreise der Fans. Die Mobilität ist also nicht ein Hebel - sie ist der Hebel.
Diese Ausgabe schaut auf konkrete Lösungen aus AT, DE und CH - und auf das, was sich daraus für Destinationen und Veranstalter ableiten lässt.
📰 News & Entwicklungen
🏷️ Startnummer = Öffi-Ticket: 49.000 Läufer:innen, ein Konzept
Mit rund 49.000 Anmeldungen war der Vienna City Marathon am 18./19. April das größte Laufereignis, das Österreich je gesehen hat. Das Mobilitätskonzept: Die Startnummer galt von zwei Stunden vor bis sechs Stunden nach dem Start automatisch als Ticket im gesamten Wiener-Linien-Netz - inklusive gezielter U-Bahn-Empfehlungen pro Startblock (U1 Kaisermühlen für Block A-D, U1 Alte Donau für Block E-F). 400 Polizist:innen koordinierten den Verkehr, ÖAMTC und ARBÖ kommunizierten Sperren und Querungsmöglichkeiten transparent. Lehre für Veranstalter: Wenn das Ticket gleichzeitig der Fahrschein ist, sinkt die Hemmschwelle für die Öffi-Anreise drastisch.
(Quelle: Wiener Linien, OTS / VCM 2026)
🚄🇦🇹ÖBB werden nationaler Mobilitätspartner des Eurovision Song Contest
Im Mai wird Wien Gastgeber des 70. Eurovision Song Contest - mit 35 Delegationen, rund 2.000 Crew-Mitgliedern und einem hohen internationalen Anreiseaufkommen. Die ÖBB sind nationaler Mobilitätspartner; eine eigene Taurus-Lokomotive im ESC-Design ist österreichweit unterwegs, eine Personenwagen-Garnitur folgt. Für ORF-Host-Broadcaster und Stadt Wien ist Mobilität neben Energie und Beschaffung eine der vier Säulen der angestrebten Doppelzertifizierung als Green Event und Green Producing. Die Wiener Linien verdichten Intervalle, branden 550 Straßenbahnen und machen die U2 zur Song-Contest-Linie. Botschaft an die Branche: Großevents werden zunehmend daran gemessen, wie nachhaltig die Anreise organisiert ist.
(Quelle: Stadt Wien / Wiener Linien, wien.info FAQ ESC 2026)
⚡️ vionmo News
Jubiläum
1 Jahr Guest Mobility Ticket - vionmo feiert mit Salzburg Verkehr
Am 1. Mai 2025 wurde das Salzburg Verkehr Guest Mobility Ticket eingeführt: alle Übernachtungsgäste im Bundesland Salzburg erhalten beim Check-in automatisch ein Ticket für den gesamten öffentlichen Verkehr - vom Stadtbus über S-Bahn bis zum Fernverkehr - finanziert über eine Mobilitätsabgabe von 0,50 € pro Person und Nacht. Wir dürfen seit über einem Jahr die Wirkung des Projekts begleiten. Das Modell zeigt, was möglich ist, wenn Verkehrsverbund, Land und Tourismus an einem Strang ziehen: ein einheitliches Produkt, das die Öffi-Anreise für Gäste so einfach wie möglich macht - eine Blaupause auch für andere Destinationen.
(Quelle: derStandard)
Medienpräsenz
vionmo im ORF Tirol: "Startup will Verkehrsbelastung verringern"
Am 27. April berichtete der ORF Tirol über unseren Ansatz: Gäste werden bereits vor der Anreise zu ihrem Mobilitätsverhalten befragt; auf Basis der Daten lassen sich nachhaltigere Optionen vorschlagen. Im Beitrag werden u. a. unsere Arbeit und Projekte vorgestellt. Das ehrt uns als junges Team. Danke, Theresa Kleinheinz für die Berichterstattung.
(Quelle: tirol.ORF.at, 27.04.2026)
🏔️ Best Practice – Nachhaltige Mobilität bei Sportveranstaltungen
Wings for Life World Run · Wien/global
Schloss Schönbrunn als Startlocation - Öffi-Anbindung statt Parkplatz
Am 10. Mai 2026 startet der Wings for Life World Run erstmals direkt vor Schloss Schönbrunn - mit 13.500 Teilnehmer:innen allein in Wien und gleichzeitigem Start an über 30 weiteren Orten in Österreich (Innsbruck, Salzburg, Klagenfurt, Steyr, Red Bull Ring) sowie dezentral via App Run. Die neue Location ist über die U4 (Schönbrunn) ohne ein einziges zusätzliches Parkplatzangebot erreichbar. Das dezentrale App-Format selbst ist ein nachhaltiges Mobilitätskonzept: kein Reiseaufwand, gleicher globaler Startpunkt. Take-away: Veranstalter, die ihren Standort konsequent an den ÖV anbinden und parallel digitale Teilnahme ermöglichen, reduzieren Anreise-Emissionen ohne Reichweitenverlust.
(Quelle: Wings for Life World Run 2026, wien.info)
Bundesliga Mitfahrportal · Deutschland
Carpooling als Liga-Standard für 1. und 2. Bundesliga
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) betreibt ein vereinsübergreifendes Mitfahrportal für alle Spiele der 1. und 2. Bundesliga (bundesliga-mitfahrportal.de). Hintergrund: Rund 60 % der CO₂-Emissionen eines Spieltags entstehen durch die Fan-Anreise. Das Portal kombiniert Fahrgemeinschaftsvermittlung mit ÖPNV-Routing - die Nutzung ist kostenlos, die Integration in die Bundesliga-App ist erfolgt. Seit Saison 2023/24 ist eine verbindliche Nachhaltigkeitsrichtlinie inklusive Mobilitäts- und Verkehrsanalyse Teil der Lizenzierungsordnung. Lehre für Eventveranstalter im DACH-Raum: Wer Carpooling und Öffi-Routing zentral integriert, senkt Emissionen und entlastet gleichzeitig Parkraum und Anrainer:innen.
(Quelle: DFL, BundesligaWIRKT)
FC Red Bull Salzburg & SVV · Salzburg
"Matchkarte = Fahrkarte": Eintrittskarte gilt im gesamten Verbundraum
Der FC Red Bull Salzburg und der Salzburger Verkehrsverbund (SVV) zeigen, wie ein Kombi-Ticket konsequent gedacht aussieht: Jede Matchkarte - ob digital, Papier oder Scheckkarte - gilt am Spieltag automatisch als Fahrschein auf allen Bus- und Bahnlinien im gesamten Verbundraum, von der S-Bahn bis Freilassing über die Salzburger Lokalbahn bis Ostermiething bis nach Bad Ischl, Mondsee und Friedburg. Gültigkeit: 6 Stunden vor Spielbeginn bis Betriebsende. Das Angebot umfasst Bundesliga- und internationale Spiele in der Red Bull Arena Wals-Siezenheim sowie EC-Red-Bull-Salzburg-Spiele im Volksgarten und gilt analog auch für die Salzburger Festspiele und das Mozarteum Orchester. Die Eintrittsschwelle für die Öffi-Anreise sinkt damit auf null - kein zweites Ticket, keine Recherche, keine Zusatzkosten. Genau dieses Modell lässt sich auf Eventtourismus übertragen, überall dort, wo Veranstalter mit Verkehrsverbünden Pauschalvereinbarungen schließen können.
(Quelle: Salzburger Verkehrsverbund, SVV Übersicht)
🔍 Hintergrund - Der unterschätzte Hebel: Trainingsmobilität
Vereinssport · DACH
Wenn Mama-Taxi und Papa-Shuttle zur größten CO₂-Quelle des Vereins werden
Großevents stehen im Rampenlicht - aber der unscheinbarste Hebel im Sport ist der tägliche Trainingsbetrieb. Zwei- bis viermal pro Woche zum Training, am Wochenende zum Turnier oder Spiel: was nach Routine klingt, summiert sich übers Jahr zu erheblichen Emissionen. Vor allem im Kinder- und Jugendsport, wo die Anfahrt fast immer mit einer Begleitperson erfolgt, oft im Auto, oft mit Leerfahrt zurück.
Wie groß der Hebel tatsächlich ist, zeigt der TSV Bayer 04 Leverkusen (rund 10.000 Mitglieder, 13 Sportabteilungen). Der Verein hat seine Mobilitätsemissionen erhoben. Das Ergebnis:
• 85 % der Gesamtemissionen stammen aus der Trainingsmobilität der Mitglieder.
• 70 % davon entfallen auf Pkw-Fahrten zum Training - weil 58 % der Mitglieder mit dem Auto kommen.
• Pro Mitglied entstehen so rund 0,7 t CO₂ pro Jahr - allein durch die Anfahrt zum Training.
Hochgerechnet: Schon ein Verein mit 300 Mitgliedern - eine durchaus übliche Größe für einen mittleren Handball-, Turn- oder Schwimmverein im DACH-Raum - erzeugt damit überschlägig rund 200 Tonnen CO₂ pro Jahr allein durch Trainingsmobilität. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches kleines bis mittleres Unternehmen in der EU emittiert nach Erhebungen des Umweltbundesamts und des Greenhouse Gas Protocol je nach Branche zwischen 15 und 75 Tonnen CO₂ pro Jahr (Scope 1 + 2). Mit anderen Worten: Ein einziger Sportverein kann verkehrsbedingt mehr emittieren als mehrere mittelständische Dienstleister zusammen.
Die Konsequenz für Vereine und Destinationen: Wer beim Vereinsgelände sichere Fahrradabstellanlagen, ÖPNV-Kooperationen, Carpooling-Tools oder Ridesharing-Pools für Eltern aufsetzt, hat den größten Hebel direkt vor der Halle - nicht im Großevent. Beim TSV Bayer 04 sind beispielsweise neue Fahrradständer und eine Kooperation mit dem örtlichen Nahverkehrsanbieter Wupsi erste konkrete Schritte; aktuell wurde zudem mit Sport Auto Plus eine Buslösung für Mannschaftsfahrten und ein E-Poolfahrzeug für Mitarbeitende eingeführt.
(Quelle: TSV Bayer 04 Leverkusen - CO₂-Rechner, MULTIPLYE / EU-KMU-Benchmark)
📈 Zahl der Woche
0,7 t CO₂
…verursacht im Schnitt jedes einzelne Mitglied eines Großsportvereins allein durch die Trainingsmobilität - pro Jahr. Bei 10.000 Mitgliedern summiert sich das auf 7.000 Tonnen CO₂. Die gute Nachricht: Es ist ein Hebel, der direkt vor Ort liegt - und nicht erst beim nächsten Großevent.
(Quelle: TSV Bayer 04 Leverkusen )
Kurz gesagt
Sportevents und Trainingsbetrieb sind zwei Seiten derselben Medaille - und beide gehören zu den größten Mobilitätshebeln der Branche. Vienna City Marathon, Wings for Life World Run und FC Red Bull Salzburg zeigen: Wenn Ticket = Fahrschein, wenn Carpooling integriert ist und wenn Standorte konsequent an den ÖV angebunden werden, folgen Gäste mit. Und Vereine wie der TSV Bayer 04 zeigen, dass auch der unspektakuläre Alltag - die Fahrt zum Training - dringend mitgedacht werden muss.
Wir freuen uns auf eure Meinung 💬 - schreibt uns, welche Mobilitätslösungen bei euren Events oder in eurer Region funktionieren.
Herzliche Grüße,
Michael und das gesamte vionmo-Team
Bleibt dran für die nächste Ausgabe in 2 Wochen!

