BLOG | Der Gast von morgen braucht eine durchgängige Reisekette
Branchenrückblick zum WKO Tourismus Summit 2026 in Alpbach von Michael Jayasekara, Geschäftsführer von vionmo.
„Transform Tourism – Mut zur Veränderung“ lautete das Motto des diesjährigen WKO Tourismus Summit in Alpbach. Beim Thema Mobilität wurde deutlich, wie konkret dieser Veränderungsdruck bereits ist. Claudia Falkinger eröffnete den Nachmittag mit fünf Mobilitätstrends. Michael Jayasekara bereitete dann mit seinen Thesen das Gespräch für das anschließenden Panel mit Michael Trestl von der Lufthansa Group, Björn Bender von Rail Europe, Benedikt Esser vom RDA und Walter Prutej von SURAAA auf, die darüber diskutierten, wie Gäste künftig nach Österreich und innerhalb unserer Regionen reisen werden.
Die Ausgangslage ist eindeutig: 74 Prozent der Urlaubsgäste kamen 2025 mit dem Pkw nach Österreich, 13 Prozent mit der Bahn. Umgekehrt bedeutet das, dass bereits rund jeder vierte Gast nicht mit dem Auto als Hauptverkehrsmittel anreist.
Dieser Gast ist keine theoretische Zukunftsgruppe. Er steht heute an unseren Bahnhöfen, sucht eine Verbindung zu seiner Unterkunft, möchte sein Gepäck nicht durch den Ort tragen und fragt sich, wie er während seines Aufenthalts flexibel bleibt.
Die Reisekette endet zu oft am Bahnhof
Österreich verfügt mit der Bahn über ein starkes Rückgrat. Die Schwachstelle liegt häufig dort, wo der Gast aus dem Zug steigt. Fahrpläne mit wenigen Verbindungen pro Tag passen nur bedingt zu kurzfristigen Buchungen, verspäteten Zügen oder spontanen Ausflügen.
Für den Gast zählt dabei nicht, wer für welchen Teil der Mobilität zuständig ist. Er unterscheidet nicht zwischen Bahnunternehmen, Verkehrsverbund, Gemeinde, Tourismusverband und Beherbergungsbetrieb. Er erlebt nur, ob seine Reise funktioniert.
Eine durchgängige Reisekette beginnt deshalb nicht erst am Bahnhof und endet nicht an der Hoteltür. Sie umfasst die Information vor der Buchung, die Anreise, Gepäck und Ausrüstung, den Transfer zur Unterkunft sowie die Mobilität während des gesamten Aufenthalts.
Das betrifft nicht nur Beherbergungsbetriebe. Auch Freizeitangebote, Gastronomie, Reiseveranstalter und Ausflugsziele profitieren davon, wenn Gäste vor Ort ohne zusätzliches Auto gut erreichbar sind.
Autonomes Fahren ist ein Baustein, keine Sofortlösung
Automatisierte On-Demand-Angebote können künftig einen Teil jener Verbindungen ermöglichen, die mit einem klassischen Linienbus wirtschaftlich kaum darstellbar sind. In Pörtschach werden solche Shuttles seit 2018 im Test-Echtbetrieb erprobt. Weitere Projekte in Österreich und der Schweiz zeigen, in welche Richtung sich die letzte Meile entwickeln kann.
Realistisch betrachtet stehen wir jedoch noch am Anfang. Schnee, wechselnde Straßenverhältnisse, Funklöcher, Zulassung, Haftung und der operative Betrieb bleiben anspruchsvoll. Österreich wird nicht dadurch zum Vorreiter, dass möglichst viele Pilotprojekte gestartet werden. Entscheidend ist, ob daraus verlässliche Angebote entstehen, die in den öffentlichen Verkehr und in die touristische Leistungskette eingebunden sind.
Drei Chancen für die Branche
Erstens sollten wir genauer wissen, wie unsere Gäste tatsächlich anreisen. Wer kommt mit der Bahn, wer benötigt einen Transfer und an welcher Stelle entstehen die größten Hürden? Diese Informationen lassen sich bereits bei der Buchung oder beim digitalen Check-in erfassen.
Zweitens sollten wir nicht nur das Zimmer oder den Eintritt verkaufen, sondern das Ankommen mitdenken. Eine verständliche Anreiseinformation, Gepäckservice, Leih-Ausrüstung, ein reservierbarer Shuttle oder ein integriertes Mobilitätsticket können den Unterschied ausmachen.
Drittens braucht die letzte Meile Koordination. Kein einzelner Betrieb kann dieses System allein aufbauen. Destinationen, Gemeinden, Verkehrsverbünde, Mobilitätsanbieter und Betriebe müssen Nachfrage bündeln und ein gemeinsames Angebot schaffen.
Wer bewegt also den Gast von morgen? Wahrscheinlich nicht ein einzelnes Technologieunternehmen. Es werden jene Regionen und Organisationen sein, die Verantwortung für die gesamte Reisekette übernehmen und aus vielen einzelnen Leistungen ein bequemes Angebot machen.
Mut zur Veränderung bedeutet hier nicht, das Auto zu verbieten. Es bedeutet, Gästen eine echte Wahl zu ermöglichen, dass die autofreie Anreise zum bequemsten Erlebnis werden kann und nicht das mühsamste bleibt.
Michael Jayasekara ist Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsexperte sowie Geschäftsführer von vionmo. Das Unternehmen analysiert Mobilitätsverhalten in Tourismus, Freizeitwirtschaft und Kultur und entwickelt daraus konkrete Entscheidungsgrundlagen.

