Webinarrückblick September | Julia Weger über das Umweltzeichen für Museen und Kulturbetriebe

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Unsere dritte Online-Austauschrunde für Museen und Kulturbetriebe stand im Zeichen des Österreichischen Umweltzeichens. Zu Gast war Julia Weger, Nachhaltigkeitsberaterin für Museen und Ausstellungshäuser. Als Vertreterin aus der Praxis war Elisabeth Scheicher vom Haus der Natur in Salzburg, die den Umweltzeichen-Prozess ihres Hauses selbst getragen hat, auch mit dabei und hat Input geliefert.  

Wie wir dank Julia Weger zur Kultur gekommen sind

Diesmal beginnen wir mit einem Dank. Dass wir uns bei vionmo mit Museen, Ausstellungshäusern und Kulturbetrieben beschäftigen, verdanken wir Julia. Sie hat uns letztes Jahr mit einigen Museen zusammengebracht u.a. dem Lentos Kunstmuseum Linz zusammengebracht, daraus wurde unser erstes Pilotprojekt zur Besucher:innen-Mobilitä. Vieles, was wir heute über den Alltag in Museen wissen, haben wir in Gesprächen mit ihr gelernt.

Michael hat es zu Beginn der Runde so gesagt: Julia ist „schuld“, dass wir in dieser Branche arbeiten dürfen. Julia nahm die Schuld gern auf sich, „weil es einfach wahnsinnig viel Spaß macht, mit euch zusammenzuarbeiten“. Uns geht es genauso. Danke, Julia.

Julia ist seit über 15 Jahren selbstständig. Angefangen hat sie mit einer Veranstaltungsagentur und dem Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events, mit dem sie seit zwölf Jahren arbeitet. Seit sechs Jahren berät sie mit Wegweiser Museen und Ausstellungshäuser nach der Umweltzeichen-Richtlinie UZ 208, inzwischen im ganzen DACH-Raum und teilweise auch Theater. Rund 30 bis 35 Häuser hat sie bisher begleitet, Häuser in Deutschland eingerechnet. Dazu arbeitet sie in den Richtlinienprozessen des Umweltzeichens mit. Sie kennt die Kriterien also von beiden Seiten: aus ihrer Entstehung und aus dem Alltag der Häuser.

Warum Museen das Österreichische Umweltzeichen machen

Den besten Grund für das Umweltzeichen fasst Julia in einem Satz: „Das Umweltzeichen ist ein wunderbares Werkzeug, um da einmal reinzustarten, weil es eine sehr kompakte Übersicht über alle relevanten Themen gibt.“ Entstanden ist es aus der Museumslandschaft selbst, auf Initiative des Kunst Haus Wien unter Bettina Leidl gemeinsam mit ICOM Österreich. „Das ist in der Community entstanden und nichts, was von oben draufgesetzt wurde.“ Seit 2018 können sich Museen und Ausstellungshäuser nach der Richtlinie UZ 208 zertifizieren lassen.

Der erste Schritt: schauen, was schon da ist

Am Anfang steht eine Analyse mit einer Beratung. Für Julia ist das der Schritt mit den meisten Aha-Effekten: „Die meisten Häuser unterschätzen, was sie im Bereich der Nachhaltigkeit schon alles tun.“ Manches gilt intern gar nicht als Nachhaltigkeit, weil man es seit 20 Jahren macht, um Kosten zu sparen.

Den Aufwand vorab pauschal zu beziffern, lehnt Julia ab: „Dann sage ich dir, lieber Michael, jetzt komme ich zuerst einmal zu dir ins Haus und dann schauen wir uns das genau an.“ Österreich hat über 700 Museen, vom Bundesmuseum mit mehr als 250 Mitarbeitenden bis zum ehrenamtlich geführten Haus. Keines der Häuser, die Julia begleitet hat, war gleich aufgestellt. Ihr Rat bleibt derselbe: möglichst alle relevanten Abteilungen einbinden.

Haus der Natur Salzburg: Einreichung in neun Monaten

Elisabeth Scheicher leitet die Abteilung Bildung und Vermittlung im Haus der Natur in Salzburg, das in einem durchschnittlichen Jahr rund 330.000 Besucher:innen zählt. Im Jänner 2024 übernahm sie die Umweltzeichen-Einreichung, im September 2024 schickte sie sie ab. Weniger als neun Monate, neben der eigentlichen Arbeit. Möglich war das, weil die Direktion dahinterstand: „Da braucht man dann die Direktion, die sagt: Das ist jetzt gerade deine eigentliche Arbeit.“

Am meisten Arbeit machte die Chemikalienliste, denn fast jeder Bereich braucht eine eigene, von den Chemieshows über die Präparation bis zum Zoo. „Ich habe mir echt gedacht, ich kann doch jetzt nicht Chemie studieren, nur damit ich diese Liste führen kann.“ Heute reicht einmal im Jahr pro Thema eine Erinnerung ans Team, meist kommt innerhalb einer Woche ein Hackerl zurück. Einfacher als befürchtet.

Was oft unterschätzt wird: Zeit und Dranbleiben

Unterschätzt wird laut Julia vor allem die Zeit. Wer den Prozess leitet, braucht klare Kontingente und kann das nicht nebenbei machen. Dazu braucht es eine Leitung, die Ressourcen freigibt. Kleine Häuser tun sich manchmal leichter: Wer zu fünft in einem Büro sitzt, löst vieles am Gang.

Den häufigsten Denkfehler sieht Julia darin, das Umweltzeichen wie ein Projekt zum Abhaken zu behandeln. „Der Fehler ist oft, dass nicht verstanden wird, was es ist, nämlich ein Werkzeug, das einen Prozess zur Nachhaltigkeit unterstützt. Und der Prozess hört halt blöderweise nicht auf.“ Häuser, die jedes Jahr einen Umweltzeichen-Tag abhalten, haben es bei der Rezertifizierung leichter.

Und manchmal liegt das Potenzial im Keller. „Ich räume in meiner Arbeit ganz viel Keller zusammen“, erzählt Julia mit einem Schmunzeln, die schon über eine Art Marie-Kondo-Programm für Museen nachgedacht hat. Neben den Objekten lagern oft Werbematerialien aus 1998, weil man das Plakat ja noch brauchen könnte.

Was gelingt, zeigt ein Haus als Beispiel von Julia, das seiner jungen Nachhaltigkeitskoordinatorin über 50 Prozent ihrer Anstellung für das Thema finanziert. Sie traut sich, in einer hierarchischen Museumswelt auch einmal zu sagen: Jetzt machen wir es anders. „Nachhaltigkeit braucht auch manchmal Mut.“

Warum die Anreise der Besucher:innen in die CO2-Bilanz gehört

Für Julia führt bei einer ehrlichen CO2-Bilanz kein Weg an den Besucher:innen vorbei. Sie verursachen mehr als 80 Prozent der Emissionen eines Museums. „Die auszuschließen kann ich machen, kann ich auch argumentieren. Wäre aber aus meiner Sicht nicht korrekt.“ Daten zur Anreise helfen auch, knapper werdende Budgets gezielter einzusetzen, etwa in der Werbung. „Wir wissen in der Museumswelt erstaunlich wenig über unsere Besucherinnen und Besucher.“

Das Haus der Natur weiß aus einer eigenen Befragung recht genau Bescheid: 48 Prozent der Besucher:innen kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 46 Prozent mit Pkw oder Motorrad. Einen Parkplatz für Schulbusse gibt es in der Salzburger Altstadt nicht, Schulgruppen reisen öffentlich an. Dass trotzdem fast die Hälfte mit dem Auto kommt, erklärt Elisabeth mit den Tagestourist:innen, die ohnehin die Stadt besuchen.

Sieht das Publikum das Umweltzeichen?

Hier blieb Julia ehrlich: „Ich glaube nicht, dass ein zusätzlicher Besucher ins Museum kommt, nur weil es ein Umweltzeichen-Museum ist.“ In Museen ist es vor allem ein internes Werkzeug. Sichtbar wird es im Museumscafé und in der Vermittlung, etwa wenn ein Haus Bildung für nachhaltige Entwicklung aufgreift. Da sieht Julia viel ungenutztes Potenzial. Und früher oder später, sagt sie, landet man im Umweltzeichen-Prozess in der Organisationsentwicklung.

© Julia Weger

Einfach loslegen

Julias Rat als Weg-Weiser(in): Für alle, die überlegen, den Umweltzeichen-Prozess anzugehen: „Einfach loslegen, machen, nicht viel überlegen, was es bedeuten könnte, wie viel Aufwand, wie schwierig das jetzt werden könnte. Alles andere weist sich dann am Weg.“

Danke, Julia, für deine Offenheit an diesem Nachmittag und dafür, dass du uns die Tür zu dieser Branche geöffnet hast. Danke auch an Elisabeth für den ehrlichen Blick ins Haus der Natur. Zum ersten Mal in der Runde war Nadine Blaas dabei, sie wird ab Oktober in unserem Team sein und kümmert sich verstärkt um Kunst und Kultur.

Die Runde findet weiterhin am letzten Dienstag im Monat statt. Wer im Kulturbereich mit Besucher:innendaten arbeitet, mit dem Umweltzeichen beginnen will oder selbst aus dem eigenen Haus erzählen möchte, ist herzlich eingeladen.

Dieser Rückblick beruht auf dem dritten Gespräch unserer monatlichen Austauschrunde zu Besucher:innendaten und Mobilität im Kunst- und Kultursektor, mit Julia Weger von Wegweiser und Elisabeth Scheicher vom Haus der Natur Salzburg am 29. Sept. 2026.

Dieser Rückblick beruht auf dem zweiten Gespräch unserer monatlichen Austauschrunde zu Besucher:innendaten und Mobilität im Kunst- und Kultursektor, mit Maximilian Gögl vom Tiroler Bauernhof Museum.

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