Mobility Insights by vionmo I Juni 26 - KW 24, Nr. 16
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Liebe Leser:innen,
die Festspiel- und Kultursaison startet und mit ihr eine Frage, die erstaunlich selten gestellt wird: Woher kommen unsere Gäste eigentlich? Von der Staatsoper bis zu den großen Festspielen wissen die wenigsten Häuser im deutschsprachigen Raum, ob im Saal Einheimische oder Tourist:innen sitzen und vor allem, wie diese angereist sind.
Dabei ist genau das der Hebel. Denn die An- und Abreise des Publikums ist in der Kulturbranche fast immer der größte Posten in der Klimabilanz und zugleich der am wenigsten gemessene. Wer seine Gäste kennt, kann sie gezielt auf Bahn, Bus & Co. lenken, statt im Nebel zu stochern.
In dieser Ausgabe: zwei frische Entwicklungen aus der Kulturmobilität, drei Best Practices, die zeigen wie es geht, und eine Zahl, die sitzt. Viel Freude beim Lesen!
News & Entwicklungen
Hanau: Kostenloser Festspiel-Shuttle nimmt die „letzte Meile“
Die Brüder-Grimm-Festspiele Hanau gehen die größte Hürde nachhaltiger Anreise an, die letzte Meile. Seit dieser Saison bringt der neue Abend-Shuttle „BUWOG Einhorn-Express“ der Hanauer Straßenbahn (HSB) Gäste an Spieltagen kostenlos vom Hauptbahnhof bzw. Marktplatz direkt zum Amphitheater und nach Vorstellungsende wieder zurück. Die Abfahrten sind exakt auf die Aufführungszeiten getaktet. Genau solche durchgängigen Reiseketten entscheiden darüber, ob Gäste das Auto stehen lassen.
(Quelle: MKK-Echo, 11.06.2026)
Hamburg: Das ADC Festival macht die Anreise zum Konzept
Auch die Kreativbranche denkt Mobilität mit: Beim ADC Festival (10.–11. Juni, Hamburger Hafen) ist die klimafreundliche Anreise fester Teil des Veranstaltungskonzepts. Statt Parkplätzen kommuniziert der Art Directors Club ein klares Multimodal-Paket aus getaktetem Shuttle ab S-Bahn Veddel, Buslinie 256 und ausgeschilderten Fußwegen. Die Botschaft an die Branche: Ein durchdachtes Anreisekonzept gehört heute zur Eventplanung wie das Programm selbst.
(Quelle: Art Directors Club (ADC), Juni 2026)
⚡️ vionmo News: Was gibt's bei uns Neues?
Tirol sucht Lösungen und wir kuratieren mit
Wir dürfen gemeinsam mit POINT& die europaweite Initiative „Mobility & Tourism Innovations Tirol“ mitgestalten, gestartet vom Land Tirol, der Tirol Werbung und dem Verkehrsverbund Tirol (VVT). Gesucht werden marktreife Lösungen in vier Feldern: Gepäcklogistik, letzte Meile, digitale Buchung & Wegführung sowie weitere Ideen für klimafreundliche Tourismusmobilität. Der Call ist offen, Einreichungen aus ganz Europa sind willkommen.
(Quelle: Land Tirol · ORF Tirol)
Green Culture Festival Karlsruhe: vionmo beim „Wegweiser-Pitch“
Am 9. und 10. Juni waren wir beim Green Culture Festival im Tollhaus Karlsruhe, Europas größtem Fachevent für Zukunftsfähigkeit in Kunst, Kultur und Medien. Beim „Wegweiser-Pitch“ durften wir zeigen, wie Mobilitätsdaten Kulturhäusern helfen, ihre Gäste und deren Anreise endlich zu verstehen.
(Quelle: Green Culture)
Erster Kunde in Deutschland: Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck
Wir freuen uns riesig: Mit dem Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck (bei Tuttlingen, zwischen Schwäbischer Alb, Schwarzwald und Bodensee) haben wir unseren ersten Kunden in Deutschland gewonnen. Ein schöner Schritt über die Grenze und ein Haus, bei dem die nachhaltige Anreise (Bahn bis Tuttlingen, dann Bus 340) schon heute funktioniert.
Verstärkung im Team: willkommen, Manon & Christoph!
Und wir wachsen: Mit Manon Hogrefe stößt eine Geografin zu uns, die uns bis zum Abschluss ihrer Masterarbeit in Teilzeit unterstützt. Und mit Christoph Laaber gewinnen wir einen kunst- und kulturaffinen Umweltjuristen, passender könnte das Timing zum Schwerpunkt dieser Ausgabe kaum sein. Schön, dass ihr da seid!
Best Practice: Nachhaltige Mobilität im Kulturbetrieb
Bregenzer Festspiele (AT): Eintrittskarte = Öffi-Ticket
Vorbildlich integriert: Bei den Bregenzer Festspielen (heuer 80. Jubiläum) gilt die Eintrittskarte am Veranstaltungstag als Gratis-Fahrschein für Bus und Bahn im gesamten vmobil-Netz Vorarlberg, ab Lindau und teils ab St. Margrethen (CH). Zusätzliche Nacht-Verbindungen sichern die Rückreise und als zertifiziertes „Green Event“ ist nachhaltige Anreise hier kein Add-on, sondern Teil des Versprechens.
(Quelle: vmobil / Bregenzer Festspiele)
MODULAR Festival Augsburg (DE): erst messen, dann lenken
Wie man Gästemobilität wirklich versteht, zeigt das MODULAR Festival: Seit 2018 begleitet die Universität Augsburg das Mobilitätsverhalten des Publikums per Befragung. Das Ergebnis ist keine Schätzung, sondern belastbares Wissen, rund 53 % reisen mit dem ÖPNV an, 19 % mit dem Rad, 8 % zu Fuß. Auf dieser Datenbasis lassen sich Maßnahmen gezielt dort ansetzen, wo sie wirken.
(Quelle: MODULAR Festival)
SBB RailAway (CH): die Öffi-Anreise wird zum günstigeren Weg
Die Schweizer Variante setzt auf den Preis-Hebel: Mit den RailAway-Kombi-Angeboten gibt es vergünstigten Eintritt in Museen und Kulturhäuser, vom Kunstmuseum Basel bis zum Zentrum Paul Klee Bern, aber nur in Kombination mit der Anreise im öffentlichen Verkehr (bis zu 50 % Rabatt). So wird die nachhaltige Option zugleich die attraktivste.
(Quelle: SBB RailAway)
📈 Zahl der Woche
bis zu 90 %
So hoch kann der Anteil der An- und Abreise des Publikums am gesamten CO₂-Fußabdruck eines Konzerts ausfallen (Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien). Eine Untersuchung von Music Declares Emergency Schweiz kam für 30 Festivals auf rund zwei Drittel der Emissionen aus der Mobilität. Die Botschaft ist in beiden Fällen dieselbe: Der größte Klima-Hebel im Kulturbetrieb liegt nicht auf der Bühne, sondern auf dem Weg dorthin. Und steuern lässt sich nur, was man kennt.
(Quellen: Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit · Music Declares Emergency CH (via Backstage Pro))
Kurz gesagt
Kulturhäuser, die wissen, woher ihre Gäste kommen und wie sie anreisen, haben den wirksamsten Klimahebel selbst in der Hand und nebenbei ein starkes Argument für Förderanträge, Sponsoring und Standortmarketing. Der erste Schritt ist immer derselbe: messen.
Wir freuen uns auf Ihre Meinung 💬
Viele Grüße,
Michael und dein vionmo Team www.vionmo.com

