Mobilitätswissen: Fakten zur Mobilität, die überraschen sollten.
Österreich bewegt sich, aber nicht überall gleich, nicht überall schnell, und nicht immer in die erwartete Richtung. Fünf Zahlen, die das zeigen.
Wer über Nachhaltigkeit redet, sollte auch Mobilität mitdenken. Und wer über Mobilität redet, stößt schnell auf Zahlen, die das eigene Bild korrigieren. Denn die Wirklichkeit ist differenzierter als die Schlagzeile in beide Richtungen. Hier sind fünf Fakten, die wir für relevant halten. Und warum.
Modalsplit: Wie Österreich wirklich fährt
25%: Wien erreicht historischen Tiefstwert beim Autoverkehr
Erstmals legen Wiener:innen nur noch ein Viertel ihrer Wege mit dem Auto zurück. Das ist der niedrigste Wert seit der ersten Modal-Split-Erhebung 1993 (damals: 40 %). Öffis, Rad und Zufußgehen machen nun drei Viertel aller Wege aus. (Quelle: Stadt Wien / Wiener Linien, Modal Split 2024 · März 2025)
Was das bedeutet: Stadtrand-Pendler:innen fahren trotzdem noch zu 77 % mit dem Auto — weil das Öffi-Angebot fehlt. Die Mobilitätswende funktioniert dort, wo Infrastruktur vorhanden ist.
Wien: 284. Österreich: 484. Fast doppelt so viele Autos am Land.
Der Motorisierungsgrad ist österreichweit fast doppelt so hoch wie in Wien. In Bezirken wie Murau oder Zwettl machen über 70 % der 17-Jährigen den Führerschein. In Wien: 8 %. Das Auto ist dort keine Wahl, sondern Notwendigkeit. (Quelle: Statistik Austria · Stadt Wien / Wiener Linien Modal Split 2024 )
Was das bedeutet: Es gibt keine universelle Mobilitätslösung für Österreich. Wer Kulturbesuche, Tourismus oder Events nachhaltig gestalten will, muss wissen, woher das Publikum kommt.
Modalsplit 2024
So umweltfreundlich legen die Wiener:innen ihre Alltagswege zurück
Pendeln - Der ehrliche Blick auf den Arbeitsweg
68% der Arbeitswege in Österreich führen über das Auto meist ohne Alternative.
In ländlichen Regionen sind es knapp 90 %. Über 220.000 Pendler:innen in Österreich sind täglich auf Öffentliche angewiesen und sind strukturell unterversorgt. Gleichzeitig: 59 % wollen laut BBM Mobility Survey 2024 nachhaltigere Lösungen. (Quelle: Arbeiterkammer NÖ · BBM Mobility Survey 2024 / Dataforce)
Was das bedeutet: Das ist kein Haltungsproblem. Das ist ein Infrastrukturproblem. Verhaltensänderung folgt dem Angebot, nicht dem Appell.
86 % besitzen ein Auto. 31 % nutzen Carsharing. Das schließt sich nicht aus.
Das Mobilitätsbarometer 2025 (Europ Assistance / Ipsos, 9.000 Befragte, 9 Länder) zeigt: Multimodalität ist angekommen. Situativ, pragmatisch, ohne Ideologie. In Großstädten würde sich die Hälfte vorstellen, auf ein eigenes Auto zu verzichten. (Quelle: Europ Assistance / Ipsos — Mobilitätsbarometer 2025 · Jänner 2025)
Was das bedeutet: Österreich ist weder Autoland noch Öffi-Land — es ist beides. Wer Mobilität nur in Kategorien denkt, versteht das Verhalten seiner Gäste, Besucher:innen und Mitarbeiter:innen nicht mehr.
Klimaneutralität bis 2040: Der Auto-Anteil muss von 61 % auf 42 % sinken.
Die TU Wien hat Österreichs Mobilitätsentwicklung über 100 Jahre analysiert (im Auftrag der ÖBB). Ergebnis: Der Wandel passiert — aber zu langsam. Elektrifizierung allein reicht nicht. Es braucht eine echte Modal-Split-Verschiebung. Und das beginnt mit Messen. (Quelle: TU Wien / ÖBB — "Österreichs Mobilität in 100 Jahren", 2023 · Österreichischer Mobilitätsmasterplan 2030 (BMK))
Was das bedeutet: Tourismus und Freizeitverkehr sind erstmals explizit Teil des nationalen Klimaplans. Kultureinrichtungen, die jetzt anfangen zu messen, sind vorbereitet — für Förderungen, Berichte und die Erwartungen ihrer Gäste.
Fazit: Wer Mobilität kennt, kann sie gestalten
Die Zahlen in diesem Beitrag zeigen deutlich: Mobilität ist kein Randthema, sondern das Fundament jeder Nachhaltigkeitsstrategie im Tourismus. Tourismusbetriebe, die wissen, wie ihre Gäste ankommen, können gezielter investieren, glaubwürdiger kommunizieren und stärker auf Förderungen und Partnerschaften reagieren.
Das bedeutet konkret: Wer weiß, dass 60 % der Gäste mit der Bahn kommen, kann in bessere Wegführung ab dem Bahnhof investieren, oder diesen Fakt im nächsten Förderantrag nutzen. Wer die Herkunft seiner Gäste kennt, kommuniziert Öffi-Verbindungen gezielter. Und wer seine CO₂-Bilanz kennt, hat ein Argument in jedem Sponsoringgespräch.
Die gute Nachricht: Daten zu erheben muss nicht aufwendig sein. Ein QR-Code, eine klare Frage, ein sensibilisiertes Team das reicht für einen Anfang. Der erste Schritt ist oft einfacher als gedacht.

